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Die Zuständigkeit der Landgerichte in Strafsachen erster Instanz ergibt sich aus dem Gerichtsverfassungsgesetz. Danach ist das Landgericht zur Entscheidung berufen, wenn nicht die Zuständigkeit der Amtsgerichte oder des Oberlandesgerichtsgegeben ist und, wenn es sich um ein Verbrechen handelt. Daneben entscheidet das Landgericht über Beschwerden gegen Entscheidungen der Amstgerichte, z.B. bei vorläufiger Entziehung der Fahrerlaubnis. Das Landgericht ist ebenfalls zuständig für Berufungen gegen Urteile der Amtsgerichte, nicht aber für die Revision gegen ein Urteil. Ein Urteil des Landgerichts ist grundsätzlich nur mit der Revision angreifbar, entweder zum Bundesgerichtshof oder zum Oberlandesgericht.

In der ersten Instanz beim Landgericht gibt es sog. Strafkammern, die als Strafgericht entscheiden. Es gibt die große Strafkammer und die große Strafkammer, die als Schwurgericht verhandelt. Daneben gibt es noch Jugendkammern, Jugendschutzkammern, Staatsschutzkammern und Wirtschaftsstrafkammern.

Die große Strafkammer ist regelmäßig mit zwei Berufsrichtern und zwei Schöffen (Laienrichter) besetzt, während das Schwurgericht mit drei Berufsrichtern und zwei Schöffen verhandelt. Das Schwurgericht ist ausschließlich zuständig für Kapitalstrafsachen, also Tötungsdelikte (z.B. Mord, Totschlag, Raub mit Todesfolge, Brandstiftung mit Todesfolge, sexueller Mißbrauch mit Todesfolge, etc.).

Die Staatsanwaltschaft kann auch beim Landgericht Anklage erheben, obwohl eigentlich das Schöffengericht zuständig wäre. In diesen Fällen muß dem zu verhandelnden Fall eine besondere Bedeutung zukommen, welche die Anklage beim Landgericht rechtfertigt (z.B. ein Sachverhalt von nationalem Interesse).

Anwaltstipp: Im Rahmen der Verteidigung im Ermittlungsverfahren ist stets darauf zu achten, welche Zuständigkeit gegeben ist. In manchen Fällen kann die Verteidigung auch auf die Staatsanwaltschaft Einfluß nehmen, sodaß beispielsweise beim Schöffengericht angeklagt wird, anstatt beim Landgericht. Dies stellt dann vorab ein Zeichen dar, wie sich das Verfahren entwickelt und welche Strafen in Betracht kommen. Aus diesem Grunde ist die Beauftragung eines Rechtsanwalts schon im Ermittlungsverfahren nicht nur sinnvoll, sondern auch geboten.

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